Jakob Schaibles künstlerische Suche widmet sich der Erforschung von Begrenzung und Unendlichkeit, dem komplexen Beziehungsgeflecht zwischen Mensch, Natur und Universum. Chemische Reaktionen mikroskopischer Größe verquickt er mit kosmischen Betrachtungen. Er wendet unterschiedlichste Medien und Materialien an, neben klassischen Staffeleibildern und Fotografien schließt er in seinen installativen Arbeiten auch filmische Mittel, akustische Effekte und bisweilen den interaktiven Eingriff des Betrachters mit ein. Ein wesentliches Element seiner Arbeiten bildet das Salz, dessen Wasserlöslichkeit und Kristallisationseigenschaften er verschiedentlich nutzt. Dabei spielt auch der vielschichtige Symbolgehalt dieses für menschliches Leben unentbehrlichen Mineralstoffes assoziativ immer eine Rolle. In seinen Fotografien bearbeitet er Kleinbildnegative mit Kochsalzlösungen und erzeugt in den Abzügen kristalline Schichten, die den Blick auf das Bild wie durch eine mit Raureif benetzte Fensterscheibe erscheinen lassen. Die kristallinen Formen dieser „Eisblumen“ verleihen den trüben Großstadtmotiven eine eigenartige Schönheit, der gleichzeitig eine verhängnisvolle Morbidität innewohnt. Auf der Leinwand führt der Künstler das Auskristallisieren von pigmentierten Salzlösungen zu kreisrunden Formen von kosmologischer Perfektion. Die Kristalle des getrockneten Salzes bilden eine körnige, teils glitzernde Oberfläche und geben natürliche Phänomene von herausragender Schönheit wieder. Überträgt der Künstler im Arbeitsprozess akustische Schwingungen in die mit Salz angereicherte Farbe, so entstehen phonetische Sedimente. Doch legt Jakob Schaible neben diesen minimalistischen Arbeiten, die jeglichen Duktus des Künstlers negieren, auch mit freier Hand geführte, informelle Kompositionen auf Leinwand an, deren geronnen Flächen organische Formen annehmen. Schließlich führt er den Betrachter mit seiner Installation „Das Universum ist ein Körper“ in einen vertonten Sternenhimmel: Auf einrunde Metallplatte druckte er eine Sternkarte und stanzte anschließend die Positionen der Gestirne aus. Auf eine antiken Spieldose montiert, erklingt das Zeichensystem der Karte in einer wundersamen Vertonung, während die Metallplatte das Licht eines Scheinwerfers auf den aufgeklappten Spieluhrendeckel wirft: Ein künstlich hergestellterSternennebel in Miniaturformat.

Dorit Schäfer